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Editorial

Sehr geehrte, liebe Frau Kollegin,
sehr geehrter, lieber Herr Kollege,

es ist soweit! Der Gesamtverband Moderne Fremdsprachen (GMF) ist gegründet: 10.000 Lehrerinnen und Lehrer fremder Sprachen vereinen durch ihn hinfort ihr politisches Gewicht und berufliches know how, sie koordinieren ihre Ziele und sprechen mit einer Stimme – so deutlich wie weithin vernehmlich. Sie werden dies immer dann tun, wenn es um wichtige Fragen des Fremdsprachenunterrichts und seiner Weiterentwicklung geht.

Noch im unmittelbaren Vorfeld des vom FMF-Landesverband Bayern unter Walter Christ ausgerichteten ersten GMF-Kongresses in Nürnberg, der ca. 800 Kolleginnen und Kollegen zusammenführte, votierte die Delegiertenversammlung des vormaligen Fachverbandes Moderne Fremdsprachen mit überwältigender Mehrheit für dessen Überführung in den Gesamtverband Moderne Fremdsprachen (GMF). Zugleich haben die Vorsitzenden der Verbände – Deutscher Spanischlehrer-Verband (DSV), Vereinigung der Französischlehrerinnen und –lehrer e.V. (VdF), Fachgruppe Deutsch, Fachgruppe Niederländisch und der Deutsche Russischlehrer-Verband (DLRV) sowie der FMF – die Gründungsurkunde des GMF unterzeichnet.

Programmatische Leitlinie des GMF ist die Förderung des Fremdsprachenunterrichts und der Mehrsprachigkeit. Damit folgt der GMF keinem Modewort. Die Leitvorstellungen Mehrsprachigkeit und sprachenteilige Gesellschaft durchziehen seit den siebziger Jahren die sprachenpolitische Diskussion in Deutschland. Mehrsprachigkeit – plurilingualism, plurilinguisme...  ist des Weiteren das Kernwort der Sprachpolitik der Europäischen Union. Diese will, dass möglichst viele Europäer neben ihrer Muttersprache mindestens zwei weitere Sprachen operabel beherrschen, am besten mehr. Genau das will auch der GMF. Allerdings: Mit durchschnittlich 1,3 Fremdsprache(n) pro Schüler steht Deutschland nur im unteren Mittelfeld der EU-Länder.

Der GMF ist etwas Anderes als der vormalige FMF und als die monolingualen Verbände für sich genommen, und er benötigt von jetzt an Handlungsfähigkeit, also auch klare Führungsstrukturen. Das derzeitige Präsidium, dessen Vorsitz ich auf Wunsch aller an den Konvergierenden Prozessen beteiligten Verbände für die nächsten zwei Jahre übernommen habe, sichert Kontinuität und Erfahrung auf dem Felde der Sprachenverbandsarbeit. Hierfür stehen Konrad Schröder (Sektion Englisch und langjähriger Vorsitzender des FMF), Hermann Funk (Sektion Deutsch und designierter Nachfolger im Amt des 1. Vorsitzenden für den Zeitraum 2008-2010) sowie ich selbst (Vorsitzender der VdF von 1994-2005). Auch der Schatzmeister des GMF (und des alten FMF) Wolfgang Weber gehört dem Präsidium an. Gustav Dettmer (vormals FMF und VdF-Saarland) führt die Protokolle des Präsidiums. Selbstverständlich besteht eine enge Zusammenarbeit mit allen Vorsitzenden aller im GMF vereinten Verbände. Walther Bernecker (Vorsitzender des DSV und Präsident der Weltvereinigung der Spanischlehrer) wird als kooptierter Experte dem Präsidium in den nächsten Jahren angehören.

Wie man sieht, ist das Präsidium zum überwiegenden Teil mit jenen Personen identisch, die für die verschiedenen Verbände in den hinter uns liegenden Konvergierenden Prozessen die Verhandlungen führten. Hierzu gehörten auch Paul-Wolfgang Jaegers (Fachvereinigung Niederländisch), Ulrich Bliesener (FMF) und Wilfried Berndt (DRLV).

Das organisatorische Grundprinzip des Gesamtverbandes heißt ‚integrative Mitgliedschaft’: Jedes Mitglied gehört mindestens einer Sprachsektion (DSV, Fachgruppe NL, VdF...) an und zugleich dem GMF. Denn Lehrende fremder Sprachen unterrichten ja immer auch bestimmte Sprachen; sie haben Gemeinsames und einander Ergänzendes (nicht Trennendes). – Viele von uns vertreten nun an Grund, Sekundar oder Hochschulen bzw. in der Erwachsenenbildung mehr als eine einzige Fremdsprache. Der GMF und seine Sektionen tragen dem insofern Rechnung, als Lehrende mit zwei Sprachen hinfort zwei Zeitschriften ihrer jeweiligen Sektionen zu wesentlich günstigeren Bedingungen erhalten können, als dies in Zeiten der Einzelverbände der Fall war. So zahlte ein Mitglied mit der Fächerkombination Englisch und Spanisch für den Bezug der Neusprachlichen Mitteilungen und von hispanorama bislang für eine jede dieser Zeitschriften und für die Leistungen, die es als Mitglied von FMF und DSV in Anspruch nehmen konnte, ‚separat’. Es ist in Zukunft finanziell besser gestellt, auch wenn insgesamt der integrierte Mitgliedsbeitrag für die Sektionen Englisch und Spanisch höher sein wird als der im vormaligen FMF bzw. im DSV alleine. Doch dafür bezieht es nun auch statt einer drei Zeitschriften, nämlich neben der geplanten Englischzeitschrift und hispanorama auch Die Neueren Sprachen. In diesem Zusammenhang sollte man sich daran erinnern, dass die Bundesländer – siehe das neue Hessische Gesetz zur Lehrerbildung – mehr und mehr dazu übergehen, von den Lehrkräften den Nachweis der Teilnahme an Fortbildung zu verlangen. Diese verlangt auch, dass man sich über die Entwicklungen seines Faches auf dem laufenden hält. – Wer nun hispanorama oder französisch heute kennt, weiß, dass die dem Spanisch bzw. Französischunterricht gewidmeten Seiten weitaus zahlreicher sind als die der Neusprachlichen Mitteilungen, die mit diesem Kalenderjahr auslaufen. Da es geplant ist, alle Mitglieder des GMF mit den Neueren Sprachen zu beliefern, wird diese Zeitschrift das Organ der gemeinsamen Interessen aller Fremdsprachenlehrerinnen und –lehrer sein. Auch dies signalisiert, dass der neue GMF in der guten Tradition der deutschen Sprachenverbände steht. Aber das Überkommene kann nur überdauern, wenn es mit den Bedingungen der Gegenwart im Einklang lebt.

Des Weiteren erhalten die FMF-Mitglieder bis zum Ende des laufenden Jahres die FMF-Mitteilungen. Danach werden danach als GMF-Mitteilungen in elektronischer Form erscheinen. Herausgeber ist das Präsidium des GMF. Schon jetzt können Sie den Internet-Auftritt des GMF begutachten. Auch dafür sei bereits hier dem Webmaster Stefan Langer ein herzliches Dankeschön gesagt.

Wie schon diese Bemerkungen vermuten lassen, bedarf es noch zahlreicher detaillierter Regelungen, damit der neue Verband wirklich funktionieren kann. Nicht alles wird von heute auf morgen realisierbar sein. Ich bitte daher einstweilen um Nachsicht dafür, dass manches in allernächster Zeit noch nicht so sein kann, wie wir es uns wünschen. Aber alle Mitglieder seien versichert: Das Präsidium arbeitet mit Hochdruck daran, den GMF in allen Bereichen voll funktionsfähig zu machen und die berechtigten Hoffnungen der Mitglieder in vollem Umfange zu erfüllen.

Da nur ein kleiner Teil der nahezu 10.000 Mitglieder des neuen, großen Verbandes in Nürnberg zugegen sein konnte, müssen hier die folgenden Fragen vor der neuen, breiten Öffentlichkeit des GMF kurz beantwortet werden (auch wenn ich den ‚Nürnbergern’ nichts Neues sage):

  1. Was ist geschehen?
    In Nürnberg hat die Delegiertenkonferenz des FMF, wie gesagt, beschlossen, den FMF in den GMF zu integrieren. Es liegt in der Logik der Beschlüsse, dass sich hiermit die Gründung einer Sektion Englisch vollzog. Petra Burmeister (Uni Kiel) leitet die Sektion als 1. Vorsitzende; ihr zur Seite steht die Vorsitzende des vormaligen FMF-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Brigitte Tielert. – Die Fachgruppe Deutsch wählte Erwin Tschirner (Uni Leipzig) zu ihrem Vorsitzenden. Allen neuen und ‚alten’ Vorsitzenden gelten die besten Wünsche des GMF-Präsidiums für ihre wichtige Arbeit. Des Weiteren liegen zwei Anträge auf Gründung neuer Sektionen vor, und zwar für das Italienische und die Westslawischen Sprachen.
  2. Dies sind nicht zu übersehene Zeichen für einen guten Start des GMF.

    Die Herausgabe einer neuen Englischzeitschrift ist zum Beginn des Jahres 2007 vorgesehen. (Denn selbstverständlich benötigen die Kolleginnen und Kollegen für Englisch ihre eigene Zeitschrift.) Parallel zu dieser Entwicklung vollzieht sich die treuhändlerische Überführung der Französischlehrerinnen und –lehrer im (bisherigen) FMF in die Sektion Französisch/VdF. Sie sollen dann vom 1.1.2007 an französisch heute erhalten (fh 1/2007 erscheint im März). – Analog hierzu verhält es sich mit den anderen Sprachen. Damit sind auch die Veränderungen eingeleitet, welche die FMF-Strukturen ablösen.

  3. Was sind die vordringlichsten Aufgaben der nächsten Zeit?
    Nachdem die Delegierten des FMF den entscheidenden Schritt getan haben, sind die monolingualen Verbände im GMF am Zuge. Deren Mitgliederversammlungen werden nun ihrerseits die GMF-Satzung zu ratifizieren haben, um sich ihrerseits definitiv in den GMF einzugliedern und diesen überhaupt erst real in voller Breite zu konstituieren. Ich gehe, wie die Vorsitzenden aller großen monolingualen Verbände, davon aus, dass dies kein entscheidendes Hindernis darstellen dürfte, schließlich erfüllt die Satzung des GMF wesentliche Forderungen der Sektionen.

    Es ist im Sinne dieser Entwicklung, wenn die VdF alle Kolleginnen und Kollegen des FMF mit der Fakultas Französisch schon in ihre diesjährige Jahresmitgliederversammlung einlädt und sie (obwohl die definitive Annahme der GMF-Satzung durch die VdF-Mitgliederversammlung noch nicht erfolgen konnte).

    Ebenso vordringlich wie die Ratifikation der GMF-Satzung durch alle Verbände ist die Bildung der GMF-Landesverbände und ihrer Vorstände. Erst dies macht den GMF in den Ländern handlungsfähig. Zur Erinnerung: Die GMF-LV bestehen aus der Summe der Mitglieder aller Sektionen. Die Vorstände der einzelsprachlichen Sektionen entsenden jeweils einen Vertreter in den Vorstand ihres GMF-LV. Auch das ‚Regionalprinzip’ – die Vertretung der LV und nicht allein der Sprachen im Bund  wird sichergestellt.

    Auf diese Weise wird die fachliche Betreuung der Mitglieder durch die Sektionen ebenso gewährleistet wie deren Zusammenarbeit im GMF. – Eine weitere Anmerkung ist erforderlich: Da die neu gegründete Sektion Englisch noch keine organisatorische Verankerung auf der Ebene der Landesverbände hat, sollten die Mitglieder der FMF-Vorstände mit der Lehrbefähigung für Englisch in Absprache mit Petra Burmeister umgehend die Gründung von LV-Sektionen übernehmen. Lehrende der in Gründung befindlichen Sektion Italienisch sollten ähnlich verfahren. Ansprechpartner sind hier Hannelore Martin (Hessen) oder ich selbst. Absehbar werden in ähnlicher Weise die Vertreterinnen und Vertreter der geplanten Fachgruppe Westslawische Sprachen anzusprechen sein. Alle Sprachgruppen des FMF genießen selbstverständlich auch im GMF alle bisherigen Vorteile.

    Wichtig ist nun, dass der GMF mit der gesamten Kraft seiner Verbände recht bald Flagge zeigt, indem er GMF-Tage veranstaltet. Besonders in der Anfangsphase, also in den nächsten beiden Jahren, müssen wir alle unübersehbar zeigen, dass der GMF die inhaltliche und organisatorische Kompetenz der Sektionen Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Niederländisch und weitere bündelt.

    Liebe Vorstände der Sektionen im GMF: Veranstaltet bitte GMF-Tage und denkt daran, die Formel: GMF-Tage sind Englisch + Französisch + Spanisch + Russisch + Sprache(n)X-Tage ist schon ‚toll’, jedoch nur partiell richtig, denn sie fasst noch nicht das alle Fremdsprachen verbindendende gemeinsame Interesse. Dabei machen die Transversalthemen gerade das die einzelnen Sprachen Verbindende deutlich. Wir brauchen beides: die fachbezogenen und die übergreifenden Themen. Die Zusammenführung unterschiedlicher Kräfte vereinfacht die Planung und Organisation. Stets sind dabei der GMF-Landesvorstand ‚und’ alle Sektionen gefordert.

    Als langjähriger Vorsitzender der VdF und Mitglied des DSV weiß ich: Wenn deren Landesverbände ihres Journées oder Jornadas veranstalten, bringt dies 200 bis 450 Teilnehmer auf die Beine. Ein GMF-Tag dürfte es demnach – gleiches Engagement der Veranstalter vorausgesetzt – leicht mit weitaus mehr Besuchern zu tun bekommen. Aber hier organisieren die Veranstalter der betroffenen Sektionen mit vereinten Kräften, ...was die Arbeit viel leichter macht! Daher nochmals mein Appell an die Landesvertretungen aller Sektionen: Stehen Sie zusammen und integrieren Sie sich.
     
  4. Interventionen
    Die Interessensvertretung der Fremdsprachen nach Außen hat in den letzten zehn Jahren darunter gelitten, dass die Verbände mit den konzeptionellen Vorbereitungen des GMF sehr beansprucht waren. Dies hat viel Kraft gebunden. Deshalb wird der neue GMF in den allernächsten Zeit wieder stärker darauf sehen müssen, dass auch die ‚konkreten Interessen’ der Lehrenden fremder Sprachen gegenüber den politischen Entscheidungsträgern wieder stärker artikuliert werden. Dies betrifft alle Ebenen der quantitativen und qualitativen Ausstattung von Fremdsprachenunterricht, von der Ausbildungssituation über die Stundentafeln bis hin zur Konkretisierung von Fortbildungen und der aktuellen Bildungsdiskussion.

    Dabei fängt der GMF nicht bei Null an. Denn die Verbände besitzen breite Kontakte auf dem Feld der Sprachenpolitik und der Steuerung von Fremdsprachenunterricht.

    Dies umfasst die Zusammenarbeit mit allen ‚Mitspielern’ von Sprachenverbänden, von den Verlagen und den Nachbarverbänden über die Botschaften bis hin zu den Kultusministerien und der KMK: Immer wichtiger wird dabei die Europäische Dimension. Die Satzung des GMF sieht hierfür ein eigenes Amt im Präsidium des GMF vor (das z.Z von Konrad Schröder betreut wird).
     
  5. GMF-Kongress in 2008

    Nürnberg 2006 war der Auftakt, nun gilt es für den GMF, seinen Rhythmus finden. Deshalb habe ich bereits während des hinter uns liegenden Kongresses Kontakt mit Vertretern zweier attraktiver Hochschulen aufgenommen. Es wäre jedoch verfrüht, hier bereits Ort und Datum des nächsten Kongresses zu nennen.
  6. Liebe Kolleginnen und Kollegen: Verweigern Sie dem neuen Verband nicht Ihr Engagement. Der GMF wird so stark sein können, wie Sie ihn machen.

    In diesem Sinn verbleibe ich
    mit kollegialen und herzlichen Grüßen

    gez.

      Ihr
      Franz-Joseph Meißner

    1. Vorsitzender des
    Gesamtverbandes Moderne Fremdsprachen (GMF)

    Gießen, 15.04.2006

    (Download dieses Dokuments als PDF)

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Stand: 15.10.2008

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